Networking Event Risikofaktor Pandemie - Was heisst das für die Reiseindustrie in der Schweiz?

Im Rahmen der ersten und ausgebuchten Veranstaltung informierte der neu gegründete Travel Industry Club Schweiz (TIC) am 2. September 2009 mit den beiden Fachreferenten Heinrich Lehmann, MSc MAE vom Bundesamt für Gesundheit BAG und Dr. Dirk Glaesser von der UNWTO und einer anschliessenden Podiumsdiskussion mit den beiden erstgenannten Referenten, Mario Lütolf, Direktor des Schweizer Tourismus-Verbandes und Peter Brun, Head of Corporate Communications beim Reisekonzern Kuoni zum Thema „Risikofaktor Pandemie – was heisst das für die Schweizer Reiseindustrie?“ im Steigenberger Hotel Bellerive au Lac. Eröffnet wurde der Anlass durch TIC-Präsident Prof. Dr. Philipp Boksberger.

Heinrich Lehmann erklärte Gründe zur Entstehung und Entwicklung einer Pandemie sowie die Unterschiede der Virenarten, die bei der „Vogelgrippe“ und der „Schweinegrippe“ involviert sind. Besonders betonte er im Falle des verursachenden „H1N1-Influenzavirus“, dass der Mensch bereits vor Symptombeginn ansteckend ist und eine Eindämmung daher sehr schwierig ist. Er ging auf mögliche Szenarien ein wie Resistenzien, Übertragungstypen, Ausprägungen einer 2. oder 3 Welle, Schutz für Risikogruppen und machte dies in einem historischen Vergleich, angefangen mit der Spanischen Grippe. Dr. Dirk Glaesser rät ab von Reisebeschränkungen – die „Ausbreitung würde die Virusverbreitung nur lähmen, aber nicht unterbinden. Wichtig sind im Falle von Pandemien vorhandene Systeme, die den Kommunikations-und Informationsfluss sicherstellen können wie diese die UNWTO im Sinne der „gegenseitigen Alarmierung“ eingeführt hat.“ Am Beispiel von Mexiko zeigte Dirk Glaesser auf, wie wichtig ein aktiv handelnder Staat zur Eindämmung einer globalen Pandemie ist, dass die wirtschaftlichen Folgen aber nicht von der Weltgemeinschaft sondern vom jeweiligen Staate getragen werden.

In der anschliessenden Diskussionsrunde, die eine Plattform bot, um Probleme, Lösungsansätze und mögliche Massnahmen zu Pandemieprävention und -auswirkung auf die Reiseindustrie zu diskutieren, wurde die von den Referenten angesprochenen Punkte angeregt aufgenommen und weitergeführt. Dirk Glaesser warnte, dass man sich nicht in Illusionen wiegen, dafür praktisch bleiben sollte. Die Ausgangslage und mögliche Erfassung von Szenarien gestalten sich schwierig und nicht zuletzt komme zur Krankheit auch die momentane wirtschaftliche Krise hinzu.

Peter Brun fügt hinzu, dass sich die Kosten für Kuoni durch diese Pandemie in der Schweiz zurzeit auf 3 Mio. Franken belaufen. Auch in der Schweiz bleiben laut Mario Lütolf Touristen aus. Er gibt zudem an, dass aus seinem Bereich Alarmierung wie auch Konsternierung komme, die Kosten gingen in die Hunderten von Millionen.

Heinrich Lehmann ergänzt, dass das BAG Empfehlungen abgibt und Dirk Glaesser fügt hinzu, dass unbedingt auf horizontaler Ebene eine Verbindung zwischen Gesundheits-und Tourismussektor bestehen muss. Dass der Tourismus leidet und leiden wird, sei sicher. Die Rechnung tragen vor allem kleine Unternehmen mit weniger Personal. Er rät, dass praktische Fragen jetzt besprochen und diskutiert werden, denn im Oktober sei die Situation zu weit fortgeschritten. Er ist überzeugt, dass niemand davon ausgehen sollte, dass er „auf sicher geimpft werden kann“. Heinrich Lehmann spricht von Unternehmen, die heute noch keine Pandemiepläne vorbereitet haben „ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben“. Dirk Glaesser wiederum weiss, dass man aufmerksam bleiben muss, weil die wirtschaftliche und soziale Verantwortung gross ist. Die Entwicklung gehesehr schnell und man könne nicht erst reagieren, wenn die Signale glasklar seien. „Hinter der Bühne sind wir sehr stark“, die UNWTO trage eine globale Verantwortung. Hauptthema in den Reisebüros von Kuoni sind dagegen Reiseversicherungsfragen. Peter Brun rät Reisenden zum Abschluss einer Reiseversicherung und stellt gleichwohl die Frage in Richtung BAG, ob es erwiesen ist, dass eine Pandemie tatsächlich kommt, erwidert Dirk Glaesser, dass es ein sehr unstabiles Virus ist, das mit den heutigen Techniken nicht kontrollierbar sei und Heinrich Lehmann, dass es sich um eine „schwache Pandemie“ handelt, die in sofern bei der Bevölkerung Probleme schafft, als dass niemand weiss, „um was es eigentlich geht“. Abschliessend sind sich alle einig, dass es schwierig ist, es allen „recht zu machen“ und richtig bzw. alles zu kommunizieren.

Die Diskussion schliesst mit den Worten des Moderators ab „wir sind vorbereitet auf einen „worst case“, behalten aber die Normalität im Fokus“ und der Abend gleitet in einen interessanten Networking-Austausch über.

Links:
www.unwto.org
www.swisstourfed.ch
www.bag.admin.ch
www.kuoni.ch
 



 
 

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